Die Gartenrevolution und ihr Grüner General in Mecklenburg-Vorpommern

18.01.2019

Peter Joseph Lenné hat die Kulisse für viele unserer Spaziergänge in Mecklenburg-Vorpommern erschaffen. Andere Garten- und Landschaftsarchitekten folgten seinen Gestaltungsprinzipien in den vielen Gutspark- und Schlossanlagen. 2016 jährte sich sein 150. Todesjahr. Chapeau, Herr Lenné. Sie haben wunderbare Parks gestaltet. Gott sei Dank sind sie teilweise noch erhalten – und noch genauso schön. Manche leider nicht mehr, aber andere werden gehegt, gepflegt und gezeigt entlang der Gartenroute MV. Getreu seinem Credo "Nichts gedeiht ohne Pflege"! Es wird wertgeschätzt, was Lenné geschaffen hat.

 

Grüner wird's nicht

Die Gartenrevolution ist Resultat tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen in Europa. Die romantische Geistesbewegung im 18. Jahrhundert wurzelte in England. Mit der einsetzenden Aufklärung hatten Philosophen und Dichter neue Freiheitsgedanken formuliert – abgeleitet aus der Natur. War die barocke Gartenkunst den Regeln der Architektur verpflichtet, orientierte sich das neue Gartenideal am Kanon der Landschaftsmalerei. Damit war die Kunstfähigkeit der Landschaftsgärten proklamiert. Die Naturszenerien der Bilder mit ihren Wasserläufen, Bodenformationen oder Baumgruppen auf weiten Wiesen wurden realisiert, für den Parkbesucher allerdings mit weit größerem Blickfeld als für einen Gemäldebetrachter. Kontrast und Überraschung sollten nicht nur durch die Elemente der Natur, durch die Wirkungen von Farbe, Licht und Schatten erreicht werden, sondern auch durch integrierte Bauwerke als Staffagen. Die Entdeckung der Natur war im 18. Jahrhundert verquickt mit der Entdeckung und Wertschätzung der Denkmäler der (eigenen) Geschichte.

 

Zudem hatten Reise- und Forschungsberichte aus aller Welt den Exotismus im Abendland befördert. Zum einen betraf das die Einführung, Akklimatisierung und Züchtung fremder Pflanzen.

Zum anderen sollten „Eyecatcher“, zweidimensionale Scheinarchitekturen, Fantasien, Erinnerungen und Stimmungen ebenso befördern wie ikonografisch historische Assoziationen ermöglichen: Klassizistische Tempel verwiesen auf die Antike, gotische Kapellen auf Mittelalter und Romantik. In den Gärten fanden Büsten und Denkmäler, Brücken und Grotten, Widmungen und Inschriften Platz. Der Landschaftsgarten vermochte wie keine andere Gattung der Bildenden Künste Historisches, Literarisches, Geografisches auf einmalige Weise zu versammeln.

 

Das Werk eines "Genies in preußischer Beamtenuniform"

 

Lenné hat ein gigantisches Lebenswerk von hoher Qualität hinterlassen. Er wurde mal als "Genie in preußischer Beamtenuniform" bezeichnet. Weil er sehr diszipliniert war, ein absoluter Workaholic. Er ist zu fast allen Projekten – und es sind mehr als 350 – persönlich hingefahren. Und das zunächst per Postkutsche, die Eisenbahn gab es ja erst ab circa 1840.

 

In Mecklenburg entwarf er 1840 die Anlage des Burggartens Schwerins und 1843 einen Verschönerungsplan für den Ludwigsluster Schlossgarten. In den Jahren 1839 bis 1840 entwickelte er etwa 20 Parkentwürfe für Landgüter in Mecklenburg-Vorpommern. In Remplin, Bredenfelde, Basedow, Varchentin, Behrenhoff, Brook, Kartlow, Wolfshagen und Zettemin verwirklichte er seine architektonischen Ideen für die Gutsgärten.

 

èSchauen Sie sich um im Land! Unsere besondere Einladung: 2. Wochenende im Juni – Lust am Garten – bundesweite Tage der Gärten und Parks.

 

Foto: Schlosspark Neustrelitz (c) TMV